ADHS BEI FRAUEN
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ADHS ist mehr als nur Unaufmerksamkeit. Es beeinflusst das gesamte Leben – von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Besonders bei Frauen bleibt die Störung oft lange unentdeckt. Hier erfährst du, warum das so ist und wie du deine Herausforderungen meistern kannst.
Biochemie des ADHS – Die Wissenschaft dahinter
Menschen mit ADHS haben eine veränderte Regulation wichtiger Neurotransmitter:
★ Dopamin – Verantwortlich für Motivation, Belohnung & Fokus.
★ Noradrenalin – Steuert Aufmerksamkeit & Wachsamkeit.
★ Serotonin – Einfluss auf emotionale Stabilität & Impulskontrolle.
Fazit: AD(H)S ist nicht nur ein Dopaminproblem!
◆ Dopamintransporter (DAT1) ist überaktiv → zu wenig Dopamin → Motivationsprobleme.
◆ Serotonintransporter (SERT) kann überaktiv sein → zu wenig Serotonin → emotionale Instabilität, Stressanfälligkeit.
◆ Noradrenalin-Dysbalance verstärkt die Symptome.
Die beste Therapie kombiniert Medikamente, Psychotherapie und ergänzende Maßnahmen, um alle betroffenen Neurotransmittersysteme auszugleichen. Das zeigt, warum ADHS mehr als nur eine Konzentrationsstörung ist, sondern auch Emotionen, Impulsivität und das gesamte Wohlbefinden beeinflusst.
ADHS BEI FRAUEN – WARUM ES SO OFT UNERKANNT BLEIBT
Warum wird ADHS bei Frauen oft nicht erkannt?
ADHS zeigt sich bei Frauen oft anders als bei Männern:
◆ Unaufmerksamkeit statt Hyperaktivität – Viele Frauen fallen eher durch Vergesslichkeit und Tagträumerei auf als durch auffällige Unruhe.
◆ Perfektionismus & soziale Anpassung – Schwierigkeiten werden durch enorme Anstrengung kaschiert, sodass das Umfeld nichts bemerkt.
◆ Spätdiagnosen im Erwachsenenalter – Viele Frauen erhalten ihre Diagnose erst mit 30, 40 oder später.
Maskierung – Wie Frauen ihre Symptome verstecken
◆ Ständiges Kompensieren durch Perfektionismus & Fleiß – Ein hoher Preis für das Gefühl, “normal” zu sein.
◆ Hohes Stresserleben durch das Verbergen von Defiziten – Immer angespannt und erschöpft, ohne zu wissen, warum.
◆ Fehldiagnosen: Depression oder Angststörungen – Weil ADHS nicht erkannt wird, erhalten viele Frauen eine falsche Behandlung.
FEHLDIAGNOSEN UND DIFFERENTIALDIAGNOSTIK
Die Unsichtbare Spitze des Eisbergs
Oftmals befinden sich Frauen in jahrelanger psychotherapeutischer oder medikamentöser Behandlung aufgrund einer vermeintlichen Depression oder Angststörung. Diese Störungen stellen jedoch häufig nur die sichtbare Spitze des Eisbergs dar, während das zugrunde liegende ADHS unerkannt bleibt. Daher ist ein umfassendes Wissen über die Störung essenziell, um eine adäquate Diagnose und Behandlung sicherzustellen.
Überschneidungen mit anderen Störungen
esonders die Borderline-Persönlichkeitsstörung, die bipolare Störung und die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) weisen symptomatische Überschneidungen mit ADHS auf – insbesondere in Bezug auf Impulsivität, emotionale Dysregulation, Reizüberflutung und soziale Schwierigkeiten.
Autistische Anteile bei Frauen mit ADHS
Studien zeigen, dass bis zu 50 % der Frauen mit einer ADHS-Diagnose autistische Anteile haben oder eine parallele ASS-Diagnose erhalten. Dies erfordert eine besonders komplexe Diagnosestellung, da sich beide Störungen in einigen Bereichen überlappen, aber unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern.
Die Notwendigkeit einer präzisen Diagnosestellung
Bei jeder Diagnostik erfolgt ein Screening auf Borderline-Persönlichkeitsstörung, Autismus-Spektrum-Störung, Depression und bipolare Störung, um eine fundierte differentialdiagnostische Abgrenzung zu gewährleisten. Eine fehlerhafte Diagnose kann schwerwiegende Folgen haben, da jede dieser Störungen eine spezifische Therapie erfordert.
WER DARF DIE ADHS-DIAGNOSE STELLEN?
Die Diagnose von ADHS darf nur von entsprechend qualifizierten Fachpersonen gestellt werden:
◆ Fachärzt:innen für Psychiatrie, Neurologie und Psychosomatische Medizin ◆ Psychologische Psychotherapeut:innen
DIAGNOSE & THERAPIE – DER WEG ZUR VERBESSERUNG
Wie wird ADHS bei Frauen diagnostiziert?
◆ Gründliche Anamnese & strukturierte Interviews – Gespräche mit Spezialist:innen helfen, die Symptome einzuordnen.
◆ Spezifische Fragebögen für Frauen – Viele Standardtests sind auf Männer ausgelegt und erfassen weibliche Symptome nicht ausreichend.
◆ Ausschluss von Fehldiagnosen H3: Welche Behandlungsoptionen gibt es?
★ Medikamentöse Therapie – Methylphenidat, Lisdexamfetamin oder Atomoxetin helfen, die Symptome zu stabilisieren. Dies ist der wichtigste Baustein in der Therapie.
★ Psychotherapie & Coaching
★ ADHS-Gruppentherapie für Frauen – Ein geschützter Raum für Austausch und gemeinsame Strategien.
Die Multimodale Therapie der AD(H)S - die 4 Säulen
Psychoedukation
Aufklärung über AD(H)S und mögliche komorbide Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angst-, Suchterkrankungen und Essstörungen
Pharmakotherapie
Medikamentöse Behandlung, z.B. Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin
Psychotherapie
AD(H)S-spezifische verhaltenstherapeutische Gruppentherapie/coaching oder Einzeltherapie
Ergänzende Therapien
Sport
Achtsamkeit
Aktuelle Studienlage und Forschung
In aktuellen Studien konnte zudem bestätigt werden, dass neben der Medikation, die sehr gut auf die Kernsymptome der AD(H)S wirken, gerade auch die regelmäßige Teilnahme an strukturierten verhaltenstherapeutischen Gruppentherapien (vor Ort und online) sehr hilfreich für die Betroffenen ist, da in diesen auch Strategien zum konkreten Umgang mit Alltagsproblemen behandelt werden und dadurch die Alltagsfunktionalität der Betroffenen gestärkt wird. Gerade diese Kombination der Anwendungen kann die Wirksamkeit der Medikation weiter erhöhen.
Auch Sport und Achtsamkeit wurden als besonders hilfreich erlebt, und die Information über mögliche Begleiterkrankungen wie z. B. Depressionen, Angsterkrankungen, Suchterkrankungen und Essstörungen werden von Betroffenen sehr geschätzt.
Diagnosestellung und medikamentöse Verschreibung
Die Diagnose von AD(H)S kann von Fachärztinnen/Fachärzten für Psychiatrie, Neurologie oder Psychosomatik und auch von psychologischen Psychotherapeuten gestellt werden.
Die Erstverschreibung von AD(H)S-Medikamenten muss von einem Facharzt für Psychiatrie, Neurologie oder Psychosomatik erfolgen. Die Verschreibung erfolgt über ein BtM-Rezept (BtM = Betäubungsmittel) und unterliegt einem strengen Prüfverfahren.
In Ausnahmefällen dürfen auch Hausärztinnen und Hausärzte Folgeverordnungen von BtM-Rezepten vornehmen, wenn gewährleistet ist, dass die Aufsicht durch eine Fachärztin/Facharzt für Psychiatrie, Neurologie oder Psychosomatik erfolgt.
Der langfristige Nutzen des Arzneimittels sollte regelmäßig nach einem Jahr neu bewertet werden, indem eine Pause eingelegt wird, um den Vorher/Nachher-Effekt des Medikaments besser beurteilen zu können.
Warum ist die Diagnose und Behandlung von AD(H)S besonders wichtig, wenn ein Leidensdruck besteht?
1. Verbesserung der Lebensqualität
Eine unbehandelte AD(H)S kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen, einschließlich der schulischen, beruflichen und sozialen Leistung. Durch die Behandlung können Betroffene ihre Symptome besser managen und eine höhere Lebensqualität erreichen.
2.Verhinderung sekundärer Probleme
Unbehandelte ADHS kann zu einer Reihe von sekundären Problemen führen, wie Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, geringem Selbstwertgefühl und Substanzmissbrauch. Die frühzeitige Behandlung kann dazu beitragen, diese zusätzlichen Probleme zu vermeiden.
3.Akademischer und beruflicher Erfolg
AD(H)S kann das Lernen und die Arbeitsleistung beeinträchtigen. Durch eine gezielte Behandlung können Betroffene ihre Konzentration, Organisation und Produktivität verbessern, was zu besseren schulischen und beruflichen Ergebnissen führt.
4. Bessere soziale Beziehungen
A(D)HS kann Beziehungen zu Familie, Freunden und Kollegen belasten. Die Behandlung kann helfen, soziale Fähigkeiten zu verbessern und Konflikte zu reduzieren, was zu stabileren und zufriedenstellenderen Beziehungen führt.
5.Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
Viele Menschen mit ADHS kämpfen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl aufgrund von wiederholten Misserfolgen und Kritik. Eine erfolgreiche Behandlung kann das Selbstbewusstsein stärken, indem sie hilft, persönliche Stärken zu erkennen und zu nutzen.
6.Vermeidung von riskantem Verhalten
AD(H)S-Betroffene neigen eher zu impulsivem Verhalten, das riskant oder gefährlich sein kann. Die Behandlung kann helfen, Impulsivität zu kontrollieren und sicherere Entscheidungen zu treffen. Dies betrifft vorwiegend den impulsiven Typ. Betroffene vom verträumten/unaufmerksamen Typ oder Mischtyp weisen dies eher nicht auf, sondern wirken im Gegensatz oft zurückhaltend und „vernünftig“.
7.Langfristige Gesundheit und Fazit
Chronischer Stress und Frustration durch unbehandelte AD(H)S können langfristige gesundheitliche Auswirkungen haben. Die Behandlung kann dazu beitragen, Stress zu reduzieren und die allgemeine körperliche und psychische Gesundheit zu verbessern.
Insgesamt kann die Diagnose und Behandlung von ADHS den Betroffenen helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, ihre Lebensqualität zu verbessern und langfristige negative Auswirkungen zu vermeiden. Es ist daher wichtig, bei Verdacht auf AD(H)S professionelle Hilfe zu suchen, um eine genaue Diagnose und geeignete Behandlungsmaßnahmen zu erhalten. Gerne bin ich Ihnen dabei behilflich.
Selbsttests ADHS: Finden Sie erste Hinweise – zu den Selbsttests
Termin vereinbaren: Für eine ärztlich fundierte Einschätzung.
In Kürze entsteht außerdem unsere digitale ADHS-Community für Frauen – ein geschützter Ort für Verbindung, Klarheit und neue Handlungsspielräume.
Was Sie erwartet:
- Austausch in moderierten Gruppen
- Selbsthilfe- und Lernkurse rund um ADHS, Hormone & Selbstfürsorge
- Impulse aus Alltagserfahrung, Fachwissen und ehrlichem Miteinander
Ein Raum ohne Rechtfertigungen. Hier können Sie erzählen, wie es wirklich ist, und sich mit Frauen austauschen, die das Gleiche kennen. Das macht vieles leichter und Sie merken, dass Sie nicht allein sind.