Ausführliche Hinweise zu Ablauf und Kosten
„Psychiatrische Erstdiagnostik Migräne mit psychischen Symptomen“ können Sie im Buchungsprozess über Doctolib einsehen.
Migräne & ADHS
Wenn das Nervensystem überlastet ist





Migräne und ADHS - zwei eigenständige, aber oft verbundene Herausforderungen
Migräne ist eine eigenständige, genetisch bedingte neurologische Erkrankung. Viele Frauen sind familiär vorbelastet – unabhängig von einer ADHS-Diagnose.
ADHS verursacht keine Migräne direkt. Doch innere Anspannung, ständige Reizoffenheit, hormonelle Sensibilität und chronische Erschöpfung können Migräneanfälle verstärken und häufiger machen.
Studien zeigen: Frauen mit ADHS haben bis zu dreimal häufiger Migräne. Reizüberflutung, Dopaminmangel und hormonelle Schwankungen treffen auf ein ohnehin angespanntes Nervensystem.
Typische Migränesymptome – bei ADHS oft besonders belastend
Während der Attacke:
- Einseitige, pulsierende Kopfschmerzen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
- Aura: Flimmern, Sehstörungen, Gesichtsfeldausfälle
Nach der Attacke:
- Erschöpfung
- Konzentrationsstörungen
- „Gehirnnebel“
Die Kombination aus ADHS und postmigränöser Erschöpfung führt oft zu einem dauerhaften Überforderungsgefühl – ohne wirkliche Erholung.
Warum ADHS Migräne verstärken kann
Das ADHS-Gehirn ist besonders reizempfindlich und kann Stress und Reize nur schwer filtern. Dadurch bleibt das Nervensystem dauerhaft angespannt.
Eine veränderte Dopaminregulation – also eine geringere Verfügbarkeit eines wichtigen Botenstoffs für Aufmerksamkeit, Motivation und Schmerzverarbeitung – kann dazu führen, dass Schmerzen intensiver empfunden und langsamer abgebaut werden.
Hormonelle Schwankungen wirken zusätzlich wie ein Verstärker. Sie erhöhen zwar nicht direkt das Risiko, Migräne zu entwickeln, machen Betroffene jedoch anfälliger für häufigere und heftigere Anfälle.
Hormonelle Migräne – der zyklische Faktor
Viele Frauen erleben rund um Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahre besonders starke Migränephasen. In den Wechseljahren verändern sich Häufigkeit, Intensität oder Verlauf oft deutlich.
Grund: Schwankungen im Östrogenspiegel senken die Reizschwelle im Gehirn. Stimmung, Schlaf und Schmerzempfinden verändern sich.
PMS und PMDS können Migräne zusätzlich verstärken oder auslösen.
Frauen mit ADHS reagieren häufig besonders sensibel auf hormonelle Veränderungen – Migräne tritt hier oft intensiver und häufiger auf.
Weitere häufige Migräne-Trigger
- Chronischer Stress & Überreizung
- Schlafmangel & unregelmäßiger Tagesrhythmus
- Histaminhaltige Lebensmittel (z. B. Rotwein, Käse, fermentierte Produkte)
- Wetterumschwünge
- Zyklusbedingte Hormonschwankungen
Mastzellen, CGRP & ADHS – das stille Verbindungsglied
Migräne betrifft das gesamte Nervensystem. Ein wichtiger Auslöser dabei ist der Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide). Er ist natürlicherweise im Gehirn vorhanden, wird aber während einer Migräneattacke in großen Mengen freigesetzt.
CGRP löst gleich mehrere Prozesse aus, die den Schmerz verstärken:
- Die Blutgefäße im Kopf weiten sich
- Entzündungsprozesse werden angeregt
- Nervenzellen werden empfindlicher, sodass Schmerzsignale leichter ausgelöst und weitergeleitet werden
CGRP aktiviert auch Mastzellen, eine Art Immunzellen. Diese schütten Histamin aus – ein Entzündungsstoff, der die Blutgefäße zusätzlich erweitert und die Schmerzempfindlichkeit weiter steigert. Bei Menschen mit ADHS ist die Mastzellaktivität oft erhöht oder sie reagieren empfindlicher auf Histamin.
Eine Histaminintoleranz kann diesen Kreislauf verstärken: Histamin aus der Nahrung oder aus körpereigenen Prozessen wird nicht ausreichend abgebaut, wodurch sich Migräneanfälle häufen oder verschlimmern können.
In den Wechseljahren verstärken starke Östrogenschwankungen diese Problematik zusätzlich, da sie den Histaminabbau im Körper verlangsamen. So hängen hormonelle Veränderungen, Histaminempfindlichkeit, CGRP-Aktivität und Migräneanfälligkeit oft eng zusammen – besonders bei Frauen mit ADHS.
Neue Therapieoption – CGRP-Antikörper
Seit einigen Jahren steht mit den CGRP-Antikörpern eine moderne Möglichkeit zur Migräneprophylaxe zur Verfügung. Diese Medikamente blockieren gezielt den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) oder seinen Rezeptor. CGRP spielt bei Migräneattacken eine Schlüsselrolle: Es erweitert Blutgefäße im Gehirn, löst Entzündungsreaktionen aus und kann so eine Attacke in Gang setzen oder verstärken.
Sie werden einmal im Monat als kleine, nahezu schmerzfreie Injektion verabreicht – ähnlich wie ein Insulinpen – und können bequem selbst zu Hause angewendet werden.
Ziel ist es, die Schmerzkaskade direkt zu unterbrechen und Migräneattacken deutlich zu reduzieren.
Ich nutze diese Therapie selbst und erlebe, wie meine Anfälle seltener werden und weniger heftig verlaufen. Für viele Frauen mit ADHS und chronischer Migräne kann sie eine spürbare Entlastung bringen – vorausgesetzt, sie wird individuell angepasst und fachärztlich begleitet.
Darm-Hirn-Achse & Migräne
Das Mikrobiom – also die Gemeinschaft der Darmbakterien – steht in engem Austausch mit dem Immunsystem und beeinflusst sowohl Migräne als auch ADHS-Symptome.
Wenn dieses empfindliche Gleichgewicht aus der Balance gerät, begünstigt das Entzündungen und kann neurologische Beschwerden verstärken.
Eine gezielte Unterstützung der Darmflora – zum Beispiel durch Ernährung, Probiotika oder eine Mikrobiomanalyse – kann deshalb ein wichtiger Baustein in der Migränebehandlung bei Frauen mit ADHS sein.
Mein integrativer Therapieansatz bei ADHS & Migräne
Medizinisch
- Detaillierte Anamnese mit Migränetagebuch, Zyklus- und Histamin-Check
- Anpassung der ADHS-Medikation (Stimulanzien können Migräne reduzieren, bei Histaminintoleranz ist eine individuelle Abstimmung nötig)
- Phasenprophylaktika bei Migräne (Antidepressiva, Beta-Blocker), Botoxbehandlung
- CGRP-Antikörper
- Enge Zusammenarbeit mit Neurologie und Gynäkologie
Hormonell
- Zyklusanalyse und ggf. bioidentische Hormontherapie
- Langzeitzyklus-Pille bei PMS/PMDS und Wechseljahren
Mehrdimensionaler, ganzheitlicher Ansatz
- Bei bekannter Histaminintoleranz: histaminarme Ernährung oder – falls unklar – ein zeitlich begrenzter Versuch mit histaminarmer Kost, begleitet von einem Symptomtagebuch, um Veränderungen zu erkennen.
- Aufmerksamkeit für die Darmgesundheit: Studien zeigen, dass das Mikrobiom bei ADHS-Betroffenen häufiger verändert ist. Eine gezielte Unterstützung kann das Immunsystem und die Reizverarbeitung positiv beeinflussen.
- Entzündungshemmende Ernährung, regelmäßige Bewegung, Yoga, Magnesium, Omega-3 und Vitamin D können die allgemeine Belastbarkeit erhöhen.
- ADHS-spezifische Therapie und Coaching helfen, Reizüberflutung zu reduzieren und den Alltag stressärmer zu gestalten.
Diese Maßnahmen sind wertvolle begleitende Strategien. Sie ersetzen keine medizinische Behandlung und führen nicht zur „Heilung“ – Migräne und ADHS sind angeboren. In Kombination mit einer gezielten medikamentösen und therapeutischen Begleitung können sie Beschwerden deutlich lindern und die Lebensqualität spürbar verbessern.
Migräne ist behandelbar
Migräne lässt sich deutlich lindern, wenn die Therapie individuell und ganzheitlich auf die weibliche Neurobiologie abgestimmt wird.
Ihre nächsten Schritte
Vielleicht erkennen Sie sich in dieser Beschreibung wieder, mit den ständigen Kopfschmerzen, der Erschöpfung und dem Gefühl, alles sei zu viel.
Ich lade Sie herzlich ein, sich auf meiner Website erste Informationen zu holen und herauszufinden, welche Möglichkeiten es für Sie gibt.
Gemeinsam können wir schauen, wie sich Migräne und ADHS besser in den Griff bekommen lassen, um den Leidensdruck gezielt zu reduzieren.
Selbsttests ADHS: Finden Sie erste Hinweise – zu den Selbsttests
Termin vereinbaren: Für eine ärztlich fundierte Einschätzung.
In Kürze entsteht außerdem unsere digitale ADHS-Community für Frauen – ein geschützter Ort für Verbindung, Klarheit und neue Handlungsspielräume.
Was Sie erwartet:
- Austausch in moderierten Gruppen
- Selbsthilfe- und Lernkurse rund um ADHS, Hormone & Selbstfürsorge
- Impulse aus Alltagserfahrung, Fachwissen und ehrlichem Miteinander
Ein Raum ohne Rechtfertigungen. Hier können Sie erzählen, wie es wirklich ist, und sich mit Frauen austauschen, die das Gleiche kennen. Das macht vieles leichter und Sie merken, dass Sie nicht allein sind.